Legal Tech Berufsfelder: Alexander Gröger über seinen Weg als Produktmanager

Unsere Blogreihe stellt verschiedene Berufsfelder im Bereich Legal Tech vor.

Alexander Gröger ist Produktmanager für die Plattform LEDOX365, bei der rechtsnahe Unternehmensprozesse digital abgebildet werden mit einer Kombination aus Matter Management und Contract Lifecycle Management. Weiterhin ist er der Partnermanager einiger derer Partnerschaften und der Program Manager des LEDOX365-Zertifzierungsprograms. Zusätzlich unterstützt er das German Legal Tech Hub im Gremium für die vergangene Konferenz im Dezember und engagiert sich aktiv im LLI (Liquid Legal Institute) und LTV (Legal Tech Verband).

Wie würdest du deinen bisherigen Karriereweg in wenigen Sätzen beschreiben?

„Ich gehe einen sehr eigenen Weg, denn ich habe keinen akademischen oder Lehr-Abschluss und gestalte somit alles selber. Ich bin bereits mit 15 Jahren in der IT eingestigen, habe lange selbstständig gearbeitet und mir so über die Jahre viele Referenzen und Kontakte aufgebaut. Meine Erfahrungen bestätige ich regelmäßig selbstständig mit dem Abschluss von Zertifikaten. So habe ich verschiedene Fähigkeiten in der IT, von Projekt- und IT-Service-management, über Sicherheits- und Netzwerkinfrastrukturen und Zertifikate für Microsoft 365 mit einem Zertifikat bestätigt. Über diesen Weg bin ich schließlich auch in der Legal Tech Welt gelandet, denn ich habe damals die Projektleitung für das CLM Projekt mit Merck überneommen, aus welchem wir seit 4 Jahren eine Standardsoftware für Rechtsabteilungen von Unternehmen entwickeln.“ 

Dein Werdegang unterscheidet sich von den „klassischen juristischen“ Laufbahnen. Welche Stationen waren für dich besonders prägend?

„Definitiv meine Zeit bei Apple. Dort habe ich viele Skills für den Umgang mit Kunden, aber auch die Organisation und den Spirit in einem Team gelernt. Diese Erfahrungen prägen mich jeden Tag.

Besonders prägend war aber auch der ständige Austausch mit Partnern und Gestaltenden aus dem Innovationsnetzwerk der Legal Tech Szene (LLI; LTV, etc.).“

Was hat dich an Legal Tech fasziniert oder motiviert, in diesem Bereich zu arbeiten?

„Legal Tech ist eine Softwarekategorie wo wirkliche Innovation stattfindet und sich die Arbeitsweisen potentiell stark verändern können. Dabei macht es mir besondere Freude an diesem Wandel mitwirken und diesen gestalten zu können und somit vielen Nutzern weltweit Handwerksmittel für ihre tägliche Arbeit an die Hand geben zu können.“ 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

„Dieser gestaltet sich jeden Tag sehr bunt, da ich den gesamten Product Lifecycle verantworte. Das heißt mich beschäftigen alle Themen rund um das Produkt, angefangen von technischen Neuerungen und Möglichkeiten, hin zu Product and Feature Research & Design, die Übersetzung von Anforderungen in Funktionen, das Testen von Prototypen, die Steuerung und Definition der Softwareentwicklung, das Testen von neuen Funktionen und Produktupdates, aber auch bis hin zum Ausliefern unserer Software in Kundenprojekten und dem Austausch von Bestandskunden. Weiterhin gestalte ich mit meinem Partner zusammen die Strategie unserer Plattform in allen Feldern, betreue und baue neue strategische Partnerschaften und engagiere mich im Gremium für den German Legal Tech Hub Summit oder in anderen Netzwerken (LLI, LTV, etc.). Dabei ist mir das Identifzieren und Entwickeln von neuen Möglichkeiten für die Legal Tech Szene besonders wichtig.“

Welche Projekte oder Aufgaben machen dir besonders Spaß?

„Definitiv das Designen der Plattform und von neuen Funktionen. Es ist ein besonderer Reiz Mehrwerte mit Funktionen für viele Menschen zu schaffen. Je besser durchdacht es generell ist, desto gewinnbringender ist es für den einzelnen Nutzer auf unserer Plattform.“

Gibt es etwas, das dir im Alltag immer wieder begegnet, woran man vielleicht nicht sofort denkt?

„Kunden 😀 Spaß

Die Kombination aus technischen Möglichkeiten, den Anforderungen des Kunden und die Umsetzbarkeit in der Plattform.“ 

Welche Kenntnisse oder Fähigkeiten sind in deinem Beruf besonders wichtig?

„Kreativität, analytische Fähigkeiten, Teamplay, strategische Entscheidungen und Voraussicht (vor allem im gestalten von Funktionen des Produktes).“

Welche Rolle spielen juristische Fachkenntnisse in deinem Arbeitsalltag – und welche technischen Skills sind unverzichtbar?

„Juristische Fachkenntnisse:

  • Wie arbeiten Rechtsabteilungen, JuristInnen, aber auch andere Abteilungen von Unternehmen mit rechtsnahen Prozessen und Verträgen. Das ist ganz zentral, denn für diese Nutzergruppen gestalten wir digitale Funktionen.

Technische Skills:

  • Wichtigste: Fähigkeit zur Übersetzung von Kundenanforderungen in die Sprache von Entwicklern (User Stories), damit wir Funktionen im Produkt bauen können.
  • Weitere: Da wir LEDOX365 tief integriert in die Microsoft 365 Plattform entwickeln, brauche ich außerdem tiefe Kenntnisse in diese Plattform und natürlich aber auch Kenntnisse zur Entwicklung von Software und einem Standardproukt (Deployment, Updates, Support, Wartung, etc.)“

Wie hast du dir deine Kompetenzen angeeignet – eher „learning by doing“ oder über gezielte Weiterbildung?

„Sehr viel “learning by doing”, ausprobieren aber natürlich auch gezielte Weiterbildungen in Form von Zertifikaten.“

Welche Chancen siehst du in Legal Tech für Menschen, die nicht den klassischen juristischen Weg gehen?

„Genau die Schnittstelle in der Übersetzung aus verschiedenen Disziplinen zu sein. Beispiel, wenn ich auf Konferenzen bin, reden JuristInnen gerne mit mir, da ich mal neue Perspektiven als Techie habe.

Weiterhin: Legal Tech funktioniert nur mit der Kombination verschiedener Disziplinen.“

Welche Herausforderungen sind dir persönlich begegnet – und wie bist du damit umgegangen?

„Rechtsabteilungen sind es gewohnt sehr klassisch zu arbeiten. Dies stelle einen mit digitalen Change Projekten natürlich vor Herausforderungen. Was mir dabei immer hilft, ist genau hinzuhören, immer wieder den Fokus auf den Prozess (weg von der Software, hin zu realen Prozessen und Möglichkeiten) zu begleiten, aber auch mit neuen Möglichkeiten zu begeistern und zu zeigen, dass es danach einfacher sein kann, als aktuell. Ein weiterer Tipp ist, den größten Gegner der Einführung einer Software zu identifizieren und diesen zu überzeugen, sodass er ein Verbündeter im Projekt, statt ein Verhinderer wird.“

Wo siehst du Legal Tech in der Zukunft?

„Legal Tech wird die Rolle und auch Arbeitsweisen von Rechtsabteilungen und Unternehmen mit rechtsnahen Prozessen vollständig verändern. Die jeweiligen Abteilungen werden deutlich unabhängiger arbeiten können und Rechtsabteilungen werden sich auf kernjuristische Tätigenkeiten fokussieren können. Rechtliche Risiken werden deutlich bewusster, aber auch besser steuerbar und einordenbar werden. Legal Tech wird Rechtsabteilungen helfen, ihre Wertigkeit in Unternehmen mit Daten zu belegen, Transparenz zu schaffen und Effizienzen zu heben.“

Was würdest du Studierenden oder jungen Berufseinsteiger:innen raten, die sich für Legal Tech interessieren?

„Schaut euch verschiedene Softwarekategorien (Unternehmenssoftware vs. Kanzleisoftware) an und deren Möglichkeiten. Beschäftigt euch mit technischen Innovationen, vergesst aber niemals, dass es realer Prozess im Fokus steht, und keine fancy Funktionen in einer Software. Fokussiert euch auf reale Anwendungsfälle, deren Grundprozesse und Herausforderungen/Möglichkeiten im Einsatz von Legal Tech. Vergesst dabei aber nicht, warum Software gebaut wird, um Menschen digital zu unterstützen. Das heißt beschäftigt euch ebenfalls im Fokus mit der Einführung von Software, Change Management und der Anforderungsaufnahme von Prozessen.“

Gibt es ein Motto oder einen Leitsatz, nach dem du arbeitest?

„Alleine wirst du nicht die universelle Lösung finden. Dazu braucht es den Austausch mit anderen und eine gemeinsame Arbeit im Team.“

Was sollten unsere Leser:innen unbedingt aus deinem Werdegang mitnehmen?

„Findet euren eigenen Weg und vertraut auf euch selber! Seid wachsam, aufmerksam, neugierig und probiert Dinge aus! Habt keine Angst zu scheitern und verbiegt euch nicht für jemanden.“

Danke Alexander für Deinen Einblick! 


Alexander Gröger ist Produkt- und Partnermanager für die Plattform LEDOX365. Weiterhin ist er der Program Manager des LEDOX365-Zertifzierungsprograms. Zusätzlich unterstützt er das German Legal Tech Hub und engagiert sich aktiv im LLI (Liquid Legal Institute) und LTV (Legal Tech Verband).

Interviewer
Larissa Schmitz

Larissa studiert Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln und arbeitet als Werkstudentin in einer Steuerkanzlei. Neben dem Studium verbindet sie ihr Interesse auch mit dem Recht der Digitalisierung. Deshalb engagiert sie sich ehrenamtlich als Finanzvorständin für das LTLC und teil ihr Fachwissen regelmäßig durch Blogbeiträge.