Legal Tech ABC | A wie Agentic AI

Künstliche Intelligenz entwickelt sich derzeit rasant weiter. Während viele Menschen bei AI noch an klassische Chatbots oder Textgeneratoren denken, geht die nächste Entwicklungsstufe bereits deutlich weiter: sogenannte Agentic AI. Der Begriff beschreibt KI-Systeme, die nicht nur auf einzelne Eingaben reagieren, sondern eigenständig Aufgaben planen, Entscheidungen vorbereiten und mehrere Handlungsschritte autonom ausführen können. Besonders im Legal-Tech-Bereich gewinnt diese Technologie zunehmend an Bedeutung.
Was ist Agentic AI? Definition und Bedeutung für Legal Tech
Agentic AI bezeichnet KI-Systeme mit einem höheren Grad an Eigenständigkeit. Anders als herkömmliche KI-Modelle, die meist lediglich Inhalte generieren oder Fragen beantworten, verfolgen agentische Systeme ein konkretes Ziel und planen selbstständig, wie dieses Ziel erreicht werden kann.
Ein klassisches Sprachmodell reagiert typischerweise nur auf einen einzelnen Prompt. Agentic AI hingegen arbeitet prozessorientiert. Das System kann Aufgaben analysieren, in einzelne Schritte zerlegen, externe Tools nutzen und Zwischenergebnisse auswerten. Dadurch entsteht eine Art digitaler Arbeitsprozess.
Ein einfaches Beispiel: Während ein gewöhnlicher KI-Chatbot lediglich ein Urteil zusammenfassen kann, könnte ein agentisches KI-System zusätzlich passende Entscheidungen recherchieren, relevante Normen identifizieren, Informationen strukturieren und daraus automatisch einen ersten Schriftsatzentwurf erstellen.
Die KI wird damit nicht nur zum Antwortsystem, sondern zu einem aktiven Bestandteil komplexer Arbeitsabläufe.
Wie Agentic AI juristische Arbeitsprozesse verändert
Gerade juristische Arbeit besteht häufig aus mehrstufigen Prozessen. Recherche, Dokumentenanalyse, Vertragsprüfung oder Compliance-Checks folgen oft wiederkehrenden Abläufen. Genau hier liegt das Potenzial agentischer Systeme.
Im Legal-Tech-Bereich kann Agentic AI beispielsweise:
- juristische Datenbanken durchsuchen,
- relevante Urteile priorisieren,
- Vertragsklauseln analysieren,
- regulatorische Anforderungen überprüfen,
- Fristen oder Risiken erkennen
- und Informationen automatisch dokumentieren.
Dadurch verändert sich die Rolle künstlicher Intelligenz im Rechtsbereich grundlegend. KI dient nicht mehr nur der Unterstützung einzelner Arbeitsschritte, sondern wird zunehmend Teil operativer Prozesse.
Besonders spannend ist dabei die Verbindung verschiedener Technologien. Moderne agentische Systeme kombinieren häufig Large Language Models mit Datenbanken, Recherchetools oder externen Softwarelösungen. Die KI kann dadurch Informationen nicht nur verarbeiten, sondern aktiv mit digitalen Systemen interagieren.
Chancen und Risiken von Agentic AI im Rechtsbereich
Die möglichen Effizienzgewinne sind erheblich. Gerade repetitive und zeitintensive Tätigkeiten könnten künftig deutlich schneller erledigt werden. Gleichzeitig entstehen jedoch neue rechtliche und ethische Herausforderungen.
Wenn KI-Systeme eigenständig Handlungsschritte durchführen, stellen sich zentrale Fragen: Wer trägt Verantwortung für fehlerhafte Ergebnisse? Wie transparent sind automatisierte Entscheidungen? Und wie viel menschliche Kontrolle ist notwendig?
Im juristischen Bereich bleibt deshalb der sogenannte Human-in-the-Loop-Ansatz besonders wichtig. KI kann unterstützen, vorbereiten und Prozesse strukturieren – die rechtliche Bewertung und finale Entscheidung sollten jedoch weiterhin beim Menschen liegen.
Warum Agentic AI für die Zukunft von Legal Tech relevant ist
Agentic AI beschreibt einen grundlegenden Wandel in der Entwicklung künstlicher Intelligenz. Systeme werden zunehmend handlungsfähig und entwickeln sich von passiven Werkzeugen zu aktiven Bestandteilen digitaler Arbeitsprozesse.
Für Legal Tech ist diese Entwicklung besonders relevant, weil juristische Arbeit stark von strukturierten Abläufen geprägt ist. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Je autonomer KI-Systeme werden, desto wichtiger werden Fragen der Kontrolle, Transparenz und Verantwortlichkeit.
Fest steht bereits heute: Wer sich mit der Zukunft juristischer Arbeit beschäftigt, wird an Agentic AI kaum vorbeikommen.

Annika ist Rechtsreferendarin und vertieft im Rahmen eines LL.M.-Studiums der Rechtsinformatik ihre Kenntnisse im Bereich Legal Tech. Parallel zu ihrer Ausbildung arbeitet sie als Datenschutzbeauftragte in einem mittelständischen Unternehmen. Ihr fachlicher Schwerpunkt ist dabei von ihrem besonderen Interesse an den durch digitale Technologien geprägten Veränderungen des Rechts motiviert.
