Legal Operations Academy 2026: Wie aus Vertragschaos echte Transformation wird

Am 16. und 17. April 2026 fand die Legal Operations Academy bereits zum zweiten Mal bei Ernst & Young in Köln statt. Die Veranstaltung bot nicht nur spannende Einblicke in die Arbeitsweise moderner Unternehmensrechtsabteilungen, sondern machte vor allem deutlich, warum Legal Operations für die Zukunft juristischer Arbeit immer relevanter werden.

Besonders überzeugend war dabei der praxisorientierte Aufbau: Statt trockener Theorie standen reale Herausforderungen, strategisches Denken und interdisziplinäre Zusammenarbeit im Mittelpunkt. Gerade für Personen, die bislang wenig oder gar keine Berührungspunkte mit Legal Operations hatten, bot die Academy einen niedrigschwelligen und zugleich anspruchsvollen Zugang zu einem Themenfeld, das für Rechtsabteilungen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Was sind Legal Operations überhaupt?

Der Begriff Legal Operations ist außerhalb größerer Rechtsabteilungen oder Legal-Tech-Kreise noch nicht allen geläufig. Vereinfacht gesagt geht es dabei um die Frage, wie juristische Arbeit in Unternehmen effizient, strukturiert und zukunftsfähig organisiert werden kann.

Während Juristinnen und Juristen klassisch Rechtsfragen bearbeiten, Verträge prüfen oder Risiken bewerten, setzt Legal Operations an den dahinterliegenden Prozessen an:
Wie werden Verträge verwaltet? Welche Tools kommen zum Einsatz? Wie lassen sich Abläufe standardisieren? Wie arbeitet eine Rechtsabteilung mit anderen Unternehmensbereichen zusammen? Und wie können Daten, Technologie und Veränderungsmanagement sinnvoll genutzt werden?

Legal Operations verbindet damit Recht, Organisation, Technologie und Strategie. Genau diese Schnittstelle machte die Academy in Köln besonders greifbar.

Ein gelungener Einstieg schon vor Veranstaltungsbeginn

Hilfreich war bereits die Vorbereitung im Vorfeld: Den Teilnehmenden wurde ein ausführliches Pre-Read zur Verfügung gestellt, das zentrale Informationen zur Funktion einer Unternehmensrechtsabteilung und zu den Grundlagen von Legal Operations enthielt.

Gerade für Einsteigerinnen und Einsteiger war dieses Material besonders wertvoll. Es erleichterte den Zugang zu einem Themengebiet, das vielen zunächst abstrakt erscheint, und schuf eine gemeinsame Grundlage für die spätere Zusammenarbeit. So konnten auch Teilnehmende ohne Vorkenntnisse von Beginn an aktiv in die Veranstaltung einsteigen.

Auftakt mit Einblicken in modernes Contracting

Der erste Veranstaltungstag begann mit der Begrüßung durch das Legal Tech Lab, Ernst & Young und die Deutsche Telekom. Nach einer kurzen Einführung lernten sich die Teilnehmenden zunächst in einer Vorstellungsrunde kennen, bevor der erste Impulsvortrag startete.

Tamay Schimang, Director im Bereich Legal Transform & Operate bei Ernst & Young, eröffnete die Academy mit einem Vortrag zum Thema Contracting. Schon hier wurde deutlich, dass Verträge in modernen Unternehmen längst nicht mehr nur juristische Dokumente sind, sondern zentrale Bausteine effizienter und strategisch organisierter Geschäftsprozesse.

Gruppenbildung mit Konzept: unterschiedliche Erfahrungsstufen bewusst gemischt

Im Anschluss begann die erste Gruppenphase. Die Teambildung wurde durch das Legal Tech Lab organisiert: Den Teilnehmenden wurden Farben zugewiesen, über die sich die jeweiligen Gruppen zusammenfanden. Hinter diesem spielerischen Ansatz stand ein durchdachtes Konzept, denn die Teams wurden bewusst so zusammengesetzt, dass unterschiedliche Erfahrungsstufen aufeinandertrafen.

Diese Mischung erwies sich als besonders gelungen. Wer bereits erste Vorerfahrungen mitbrachte, konnte Impulse setzen; wer neu im Thema war, stellte oft genau die Fragen, die für ein tieferes Verständnis entscheidend sind. Gerade das machte den Austausch innerhalb der Gruppen besonders produktiv.

Zu Beginn mussten die Teams drei Fragen beantworten, die sich auf den Status quo in Rechtsabteilungen bezogen:

  • Wie viele Rechtsabteilungen nutzen bereits ein IT-gestütztes Vertragsmanagementsystem?
  • Wie viele planen konkret den Einsatz von GenAI für Contract Review und Analyse?
  • Wie viele haben bereits strukturierte Datenmanagementprozesse implementiert?

Die Gruppen, die jeweils am nächsten an der richtigen Antwort lagen, erhielten das entsprechende Themenfeld für das folgende Planspiel. Meine Gruppe setzte sich beim Thema Vertragsmanagement durch und beschäftigte sich im weiteren Verlauf der Academy intensiv mit genau diesem Bereich.

Der erste Tag klang anschließend auf der Terrasse von Ernst & Young bei einem gemeinsamen Abendessen aus. Diese entspannte Atmosphäre bot eine gute Gelegenheit, Gespräche zu vertiefen, Kontakte zu knüpfen und unterschiedliche Perspektiven aus Studium, Praxis und Legal Tech zusammenzubringen.

Vom Problem zur Strategie: warum vorschnelle Lösungen selten tragen

Der zweite Tag begann mit einem weiteren Impulsvortrag von Tamay Schimang zum Thema „Problem Solving and Strategies“. Die Kernbotschaft war ebenso einfach wie relevant: Nicht vorschnell in Lösungen denken, sondern Probleme zuerst sauber analysieren.

Dieser Perspektivwechsel war prägend für die anschließende Arbeitsphase. Auf Basis von Hintergrundinformationen zur fiktiven TelYoung GmbH sowie interner E-Mails verschiedener Stakeholder sollten die Gruppen ein Problem Statement entwickeln, ein Zielbild formulieren und daraus High-Level-Action-Steps ableiten.

Für unsere Gruppe bedeutete das: Wir analysierten die Herausforderungen im Vertragsmanagement der TelYoung GmbH und erarbeiteten eine strategische Herangehensweise, die nicht nur Symptome adressierte, sondern auf nachhaltige Verbesserungen abzielte.

Gerade dieser Teil zeigte eindrucksvoll, was Legal Operations in der Praxis bedeutet: Es geht nicht darum, einfach ein neues Tool einzuführen. Es geht darum, Prozesse zu verstehen, Zielkonflikte sichtbar zu machen und tragfähige Lösungen zu entwickeln, die sowohl juristisch als auch organisatorisch funktionieren.

Change und Transformation: warum Akzeptanz über Erfolg oder Misserfolg entscheidet

Nach der Mittagspause folgte der dritte und letzte Impulsvortrag, diesmal von der Deutschen Telekom. Martin Kammandel, LL.M., Senior Legal Operations Manager, und Dr. Peter Schil, Chief Legal Tech Officer, sprachen über „Change and Transformation“.

Besonders anschaulich war der Vergleich mit einem Friseurbesuch: Während Change eher für kleinere Veränderungen steht, beschreibt Transformation einen grundlegenden Wandel. Dieses Bild machte unmittelbar verständlich, warum technologische oder organisatorische Neuerungen in Rechtsabteilungen mehr erfordern als gute Ideen auf dem Papier.

In der anschließenden Arbeitsphase übernahmen die Gruppen verschiedene Stakeholder-Rollen und entwickelten auf dieser Grundlage eine Impact-Effort-Matrix. Darauf aufbauend erstellten wir eine Roadmap, identifizierten Risiken und formulierten Maßnahmen für den Umgang mit diesen Risiken.

Ein zentraler Punkt wurde dabei sehr deutlich: Veränderungen gelingen nur dann, wenn sie von den betroffenen Personen mitgetragen werden. Akzeptanz entsteht nicht von selbst, sondern muss aktiv mitgedacht und gestaltet werden. Genau dieser Aspekt macht Legal Operations so spannend – und zugleich so anspruchsvoll.

Abschlusspräsentation vor dem Board

Zum Abschluss präsentierten die Gruppen ihre über anderthalb Tage hinweg entwickelte Strategie vor einem Board. Ziel war es, das eigene Konzept überzeugend darzustellen, kritische Rückfragen zu beantworten und eine Art „Freigabe“ für das Projekt zu erhalten. Diese finale Präsentation gab der Veranstaltung einen besonders realitätsnahen Rahmen. Statt rein theoretischer Ergebnisse stand die Frage im Mittelpunkt, ob die entwickelte Lösung auch in einem unternehmensnahen Setting tragfähig und überzeugend wäre. Im Anschluss erhielten alle Teilnehmenden ein Teilnahmezertifikat.

Fazit

Die Legal Operations Academy zeigt, wie praxisnah, verständlich und zugleich zukunftsorientiert juristische Arbeit heute gedacht werden kann. Gerade für Einsteigerinnen und Einsteiger bietet das Format einen idealen Zugang zu Themen wie Legal Tech, digitale Rechtsabteilungen, Vertragsmanagement und Transformation. Durch die Kombination aus fachlichen Impulsen, interaktiver Gruppenarbeit und persönlichem Austausch wird Legal Operations nicht nur erklärt, sondern unmittelbar erlebbar. Die Teilnahme vermittelt daher nicht nur wertvolles Wissen, sondern weckt auch ein tieferes Verständnis für die Anforderungen und Chancen moderner Rechtsabteilungen.


Jessika Akpuogu

Jessika ist Volljuristin und aufgrund ihres Interesses an der Digitalisierung des Rechts und Legal Operations Mitglied beim Legal Tech Lab Cologne.