
Eindrücke vom German Legal Tech Summit 2025
Am 4. Dezember war das Legal Tech Lab Cologne (LTLC) mit 17 Mitgliedern im Convention Center Hannover beim German Legal Tech Summit 2025 (GLTS 2025) vertreten. Schon beim Ankommen auf dem Messegelände wurde deutlich, dass Legal Tech längst kein Nischenthema mehr ist, sondern sich zu einem zentralen Bestandteil der juristischen Praxis entwickelt hat: Vor dem Messegebäude bildete sich eine Menschentraube aus Jurist:innen, Legal Engineers, Mitarbeitenden aus Justiz und Verwaltung sowie Studierenden. Überall hörte man, noch vor der offiziellen Eröffnung um 10:00 Uhr, Gespräche über KI-Tools, Workflows und digitale Prozesse.
Der GLTS 2025 hat uns erneut bestätigt, wie stark sich die Rechtsbranche verändert und wie entscheidend Legal Tech mittlerweile für juristische Arbeit geworden ist. Es ist notwendige Voraussetzung für die Rechtsberatung, Verwaltung und Justiz der Zukunft. Die weitere Entwicklung ist eindeutig: Ohne Legal Tech drohen Kanzleien, Unternehmen, Verwaltungen und Justiz den Anschluss zu verlieren. Wer jetzt nicht auf diesen Zug aufspringt, wird in naher Zukunft nur noch hinterherfahren.
Next Level Law: Zukunft gestalten in Hannover
Das Motto „Next Level Law – Zukunft gestalten“ brachte rund 800 Teilnehmende zusammen. Das Programm war so dicht, wie es auf der Website angekündigt wurde: Keynotes, Panels, Workshops, Masterclasses, Start-up-Pitches, Podcast-Aufzeichnungen und vieles mehr sowie ein umfassender Ausstellungsbereich ließen keinen Raum für Leerlauf.
Weil wir mit zahlreichen Mitgliedern vor Ort waren, konnten wir uns aufteilen, in den Pausen gegenseitig von den jeweiligen Vorträgen berichten und so noch mehr Inhalte und Eindrücke mitnehmen. Zwischen zwei Sessions gaben wir uns schnell ein Update zur letzten Paneldiskussion, tauschten uns spontan über neue Tools aus oder empfahlen einander, welche Masterclass man auf keinen Fall verpassen sollte.
Das Lab auf der Bühne
Für uns war der GLTS 2025 nicht nur ein Tag des Zuhörens, sondern auch des Mitgestaltens. Die Mitglieder des LTLC waren an mehreren Stellen selbst Teil des Programms.
Unsere Co-Head of Lab and Head of Partnerships Melissa Nagel moderierte auf der Young Professional Stage gleich zwei Sessions: Zum einen den Impulsvortrag „Google verstehen als Anwalt“, in dem es um Sichtbarkeit, SEO-Grundlagen und Ranking-Faktoren für Kanzleien ging, zum anderen den Slot „Legal Tech in der Praxis: Erfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit von IT und Rechtsabteilungen“, der sehr konkret zeigte, wie interdisziplinäre Teams Technologien gemeinsam nutzbar machen können.
Ebenfalls auf der Young Professionals Stage moderierte unser Mitglied Johannes Kentsch die Vorträge „KI ist kein Zauberstab“ und den Workshop „WAS KANNST DU EIGENTLICH? – Hard & Soft Future Skills for Juniors & Seniors“, der unter anderem von Alicia Urban unserer Head of Lab gehalten wurde. Dort ging es um die Frage, welche Fähigkeiten die nächste Generation im Recht tatsächlich braucht.
Darüber hinaus konnte Alicia das Legal Tech Lab Cologne beim Programmpunkt „Legal Tech Land Deutschland – Vorstellung wichtiger Legal Tech Initiativen“ vertreten. Dort wurden Initiativen vorgestellt, die Legal Tech in Deutschland vorantreiben und damit wurde genau die Landschaft sichtbar gemacht, in der wir uns als Lab bewegen.
Über das Young Professional Board waren mit Eva-Maria Pottkämper und Alicia zudem zwei LTLC-Mitglieder direkt an der Programmgestaltung beteiligt. Viele Formate, insbesondere auf der Young Professional Stage, trugen damit auch inhaltlich die Handschrift von Menschen aus unserem Lab.
KI, Digital Courtroom und Legal Operations – unsere inhaltlichen Highlights
Thematisch hat sich vieles erwartungsgemäß um KI gedreht. In mehreren Sessions ging es um die Frage, wie generative KI in Kanzleien, Rechtsabteilungen, Verwaltung und Justiz eingesetzt werden kann, ohne Sorgfalts- und Haftungsfragen aus den Augen zu verlieren. Diskutiert wurden KI-gestützte Recherche, automatisierte Dokumentenanalyse, Unterstützung bei der Strukturierung komplexer Mandate und der Umgang mit Halluzinationen, Prompt-Design und menschlicher Qualitätskontrolle.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem „Digital Courtroom“ und der Prozessdigitalisierung. Panels und Vorträge zeigten, wie elektronische Akten, digitales Beweismanagement und Videoverhandlungen zusammenspielen können und wo Justizverwaltungen heute schon weit fortgeschritten sind. Besonders eindrücklich war dabei der Tenor, dass es nicht nur um die Einführung einzelner Tools geht, sondern um die Neugestaltung von Abläufen – vom Mahnverfahren bis hin zu komplexen Zivilprozessen.
Mindestens genauso präsent war das Thema Legal Operations. Zahlreiche Beiträge drehten sich um datengetriebene Workflows, KPI-basierte Steuerung in Rechtsabteilungen und die Frage, wie man juristische Arbeit so strukturiert, dass Automatisierung überhaupt sinnvoll möglich wird. In einer der Sessions ließ sich sehr gut beobachten, wie sich Rollenbilder verändern: Jurist:innen denken nicht mehr nur in Fällen, sondern zunehmend in Prozessen, Datenpunkten und Verantwortlichkeiten.
Zwischen Ethik, Regulierung und Praxis
Neben der Technik spielte auch der regulatorische und ethische Rahmen von KI eine große Rolle. In verschiedenen Programmpunkten wurden der EU AI Act, datenschutzrechtliche Fragen und die Verantwortung von Anbietern und Anwender:innen diskutiert. Deutlich wurde, dass Legal Tech nicht nur Effizienzprojekt ist, sondern immer auch eine rechtsstaatliche Dimension hat: Es geht darum, wie Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Fairness in KI-gestützten Prozessen gesichert werden können.
Gerade für uns als LTLC ist diese Perspektive entscheidend: Wir beschäftigen uns nicht nur mit der Frage, was technisch möglich ist, sondern immer auch damit, welche Auswirkungen neue Technologien auf Rechtsstaatlichkeit, Zugang zum Recht und juristische Ausbildung haben.
Community, Young Professionals und Begegnungen im Foyer
Besonders positiv ist uns die Community-Atmosphäre in Erinnerung geblieben. Der GLTS versteht sich ausdrücklich als Kongress-Festival mit vielen Begegnungsflächen und das merkte man. Immer wieder bildeten sich spontan kleine Grüppchen, in denen sich Young Professionals, Studierende und erfahrene Praktiker:innen über Karrierewege, Skillsets und aktuelle Tools austauschten.
Ein Format, das diese Vernetzung besonders sichtbar gemacht hat, war das Speed-Dating zwischen Arbeitgebern und Young Professionals, das im Rahmen des Summits stattfand und maßgeblich von Eva-Maria aus dem Lab organisiert wurde. Auch wenn man selbst nicht mit jeder Person sprechen konnte, war im Umfeld der Session deutlich zu spüren, wie niedrigschwellig hier erste Kontakte geknüpft wurden von Praktikumsideen bis hin zu Einstiegsmöglichkeiten in Legal-Tech-Teams.
Prägend war außerdem, wie konsequent das Young Professional Board im Programm verankert war. Auf der offiziellen Website wird es als Gremium beschrieben, das interdisziplinär, praxisnah und mutig neue Perspektiven für die nächste Generation ins Programm bringt genau so wirkte es auch vor Ort: Formate waren bewusst dialogorientiert, viele Speaker:innen nahbar und ansprechbar, und selbst nach den Sessions gingen Diskussionen im Gang einfach weiter.
Was wir aus Hannover mitnehmen
Für uns war der GLTS 2025 vor allem eine Bestätigung: Unser Anspruch, „Tomorrow’s Legal Landscape“ aktiv mitzugestalten, passt gut zu der Dynamik, die wir auf dem Summit gespürt haben. Inhaltlich nehmen wir mit, dass die Debatte über Legal Tech jedes Jahr deutlich konkreter wird. Wo früher oft nur von „Digitalisierung“ im Allgemeinen die Rede war, stehen heute sehr spezifische Use Cases, Prozesse und Governance-Fragen im Mittelpunkt. Jedes Jahr sind wir vom Tempo der Entwicklung überrascht. Für unsere Arbeit bedeutet das, dass wir diese Impulse in Projekte, Lehrangebote und Publikationen tragen wollen.
Mindestens genauso wichtig ist der Community-Aspekt: Der GLTS zeigt, wie viel entsteht, wenn Studierende, Entwickler:innen, Praktiker:innen und Wissenschaftler:innen nicht nebeneinander denken und arbeiten, sondern gemeinsam.
Der GLTS 2025 hat uns noch einmal vor Augen geführt, wie dynamisch der Rechtsmarkt derzeit ist. Für uns steht nach diesem Tag fest: Wir wollen dort sein, wo Legal Tech diskutiert, ausprobiert und kritisch reflektiert wird, auf Veranstaltungen wie dem GLTS, aber vor allem im Alltag unserer eigenen Projekte. Wir haben uns daher den 2. und 3. Dezember 2026 für den GLTS 2026 vorgemerkt und sind gespannt, welche Entwicklungen wir bis dahin erfahren werden.

Konstantin Karl Sanno
Konstantin ist Rechtsanwalt sowie Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Institut für Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht an der Universität zu Köln. Darüber hinaus engagiert er sich als Mitglied im Legal Tech Lab Cologne.
